Ein Wort genügt: Asante

Carstens Eindrücke aus Mashati

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Stell dir vor, du hast Gäste zum Essen nach Hause eingeladen, doch 20 Minuten nach der vereinbarten Zeit ist noch keiner da. Welche Gefühle kommen in dir auf? In Mashati (Tanzania) hatte ich den Eindruck, dass man sich umso mehr über das Eintreffen der Personen freute, je später diese kamen. Sehr wahrscheinlich liegt das zum Teil an dem grundlegend anderen Zeitverständnis am Fuße des Kilimanjaro als in Deutschland. Weitere mögliche Erklärungen konnte ich persönlich in Tanzania erleben.

Nach Abitur und Berufsausbildung in Deutschland wollte ich ganz neue Eindrücke gewinnen. Dank der Hilfe von Marianne und Caro (Gründungsmitglieder von EliOra) konnte ich Kontakt zu Stephen Moshi herstellen. 2017 durfte ich ein halbes Jahr bei Stephen in Mashati verbringen. Während der Zeit dort habe ich die Dinge, die für die meisten Menschen in Europa selbstverständlich sind, neu zu schätzen gelernt. So wurde mir auch erst in Mashati bewusst, über welche vorzügliche Infrastruktur wir in Deutschland verfügen, die uns ein schnelles und unkompliziertes Reisen ermöglicht. In Tansania ist das nicht so. Nach meinen Erfahrungen ist eine Reise in Tanzania beschwerlich und oftmals auch gefährlich. Die Straßen sind nicht gut ausgebaut und die Fahrzeuge älter. Deswegen ist die Freude über jeden Gast sehr groß – egal, wann er eintrifft!

Darüber hinaus habe ich eine grundsätzlich sehr dankbare Einstellung erlebt: Eine Gemeinde, bei der ich regelmäßig den Gottesdienst besuchte, lud mich vor meiner Abreise zu einer Verabschiedungsfeier im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes ein. Als ich an diesem Sonntag in die Kirche kam, waren sehr viele Leute da und auch die zusätzlich aufgebauten Stühle boten nicht für alle Platz. Es standen Leute vor der Tür oder an den Fenstern der Kirche. Während der Messe wurde ich mehrfach nach vorne gerufen und erhielt drei Geschenke. Als ich nach dem Gottesdienst noch zum Mittagessen eingeladen wurde, war ich überrascht und gerührt. Mit so einer großen Feier hatte ich gar nicht gerechnet!

Später fragte ich den Pastor, wie ich mich bedanken könne. Seine Antwort rührte mich fast zu Tränen: „Ein Wort genügt: Asante (Danke)“. Der Pastor einer Gemeinde, die für die Fertigstellung des Pfarrbüros spart und nicht allen Messbesuchern eine Sitzgelegenheit bieten kann, richtet für mich eine Verabschiedungsfeier aus, überreicht Geschenke – und als Dankeschön reicht ein Wort?! Die Gemeinde und der Pastor hatten sich so über meine Besuche der Gottesdienste gefreut, dass sie die Verabschiedungsfeier ausgerichtet haben. Aber von mir wurde nichts weiter erwartet als ein „Dankeschön“.

Auch in anderen Situationen habe ich erlebt, dass die Menschen am Fuße des Kilimanjaro geben ohne zu nehmen, auch wenn sie selbst nicht viel besitzen. Ich habe einige Menschen kennen gelernt, die kaum materielle Güter besitzen, aber dennoch unglaublich reich sind. Reich an Lebensfreude, Großzügigkeit und Dankbarkeit. Insbesondere die Erfahrung dieser ehrlichen Dankbarkeit macht für mich den Einsatz bei EliOra lohnenswert. Danke. Asante.